Stephan Farm, Wagyu Züchter und Fleischproduzent aus Leidenschaft!

Stephan Farm

Stephan Farm – wir lieben was wir tun!

Wir waren bei Alexander Stephan und seiner Frau Marion auf der Rinderfarm und haben uns angesehen was erzeugt und wie der Betrieb geführt wird. Wir waren angenehm überrascht über die Art und Weise der Zucht, der Qualität und auch der Geschmack konnte uns begeistern. Folgend ein Bericht über einen Vorzeigebetrieb. (https://www.stephan-farm.com/shop/)


Impressionen der Farm


Von Anfang an war da dieses Gefühl! Alexander im Interview

AUFUNSERE.ART
Wie kommt man auf den Gedanken eine Rinderzucht zu starten, in diesen Zeiten von Billigfleisch und veganen sowie vegetarischen Trends?

Alexander Stephan
Schon als Kind faszinierte mich die landwirtschaftliche Arbeit und die Viehzucht. Ich war immer unterwegs bei den Bauern, hab bei jeder Gelegenheit geholfen, interessiert und aufmerksam beobachtet und versucht so viel wie nur möglich zu lernen. Als Jugendlicher bzw. fast Erwachsener habe ich dann in einem Milchviehbetrieb in Tirol gearbeitet. 2009 hab ich dann die Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter abgeschlossen. Dann ging es erst richtig los.

Ich habe in Tirol eine sogenannte Aste (Bergweide, tiefer gelegen als eine Alm) gepachtet und mit der Zucht von Angus Rindern gestartet. Anfangs mit einer sehr kleinen Herde.

AUFUNSERE.ART
Wie kam denn eigentlich Wagyu ins Spiel?

Alexander Stephan
Wagyu bedeutet nichts anderes als (übersetzt) “Japanisches Rind” und das kam eher zufällig in mein Leben. Ich habe einmal das Fleisch probiert und dann war der Moment gekommen in dem ich innerlich gemerkt habe, das ist mein Leben, das ist meine Leidenschaft, das ist meine Passion, ich will mehr! Das Gefühl ist schwer zu beschreiben wenn man es nicht selbst erlebt hat. Das Gefühl war sehr stark. Vielleicht waren es auch Schmetterlinge und ich habe mich in diese Kuh verliebt? Wer weiß es schon?

Ich habe mich dann also mehr mit dem Thema Wagyu beschäftigt, eine Wagyu-Farm in Amerika besucht und mich über Embryotransfer informiert. Mich faszinierten auch die Weiten des Landes. Unendlich viel Platz, Auslauf, Freiheit für die Tiere – alles so wie man es sich in den alten Western vorstellt. Weiten, riesige Büffelherden, die Bilder in meinem Kopf nahmen Formen an und meine Vorstellungen wurden immer genauer.

AUFUNSERE.ART
Die Zucht startete in Tirol, was hat dich dazu bewegt deinen Lebensmittelpunkt nach Ungarn zu verlegen?

Alexander Stephan
Das war ganz einfach. Zurück von Amerika suchte ich in Tirol nach einer eigenen Landwirtschaft, nach großen Flächen. Die gab es aber nicht in dieser Art und Weise wie ich sie gesucht hätte. Die Flächen waren zu klein, mehrere Flächen anschaffen wäre möglich aber nicht sinnvoll gewesen. Sie lagen zu weit auseinander und machten eine optimale Bewirtschaftung unmöglich. Der Aufwand und somit die Kosten wären zu hoch gewesen. Dies hätte sich im Preis des Fleisches und wahrscheinlich auch in der Qualität wieder gespiegelt, vom CO2 Abdruck ganz zu schweigen. Ich war und bin schon immer ein Perfektionist und gebe nicht auf. Ich suchte also weiter nach Land.

Durch Zufall (der spielt in meinem Leben eine große Rolle) kam ich nach Ungarn. Da war sie, plötzlich und unerwartet, die Erinnerung an Amerika. Das Land ist von den Weiten so ähnlich groß, viel Land, viel Fläche, alles zusammenhängend oder zumindest nicht weit auseinander. Das könnte funktionieren. Ich habe mich in das Land, ohne es richtig zu merken, verliebt! Mir war sofort klar, hier kann ich eine Wagyu Herde aufbauen und für optimale Bedingungen sorgen. So kam ich dann 2010 zu einer Möglichkeit die Landwirtschaft in Ungarn zu kaufen. Diese Chance nutzte ich natürlich sofort.

Anreise, Ankunft und der erste Eindruck

Nach einer Anreise von ca. 3 Stunden, erst auf Autobahnen dann auf Landstraßen fährt man wie das Navi es bestimmt. Plötzlich und unerwartet, findet man sich auf einem Feldweg wieder. Links und rechts nichts als Bäume. Holzarbeiter blockieren mit ihren Maschinen den Weg, warten ist angesagt. Sie können die Arbeit nicht einstellen, ich kann nicht vorbei. Nach ca. einer halben Stunde ist es so weit, eine Lücke tut sich auf und ich setze meine Reise fort! Weit kann es ja nicht mehr sein. Mein Navigationsassistent meint 5 Kilometer – die Zeitanzeige für diese Strecke lässt nichts Gutes vermuten!

Unterwegs mit einem roten Kleinwagen geht es weiter auf der Straße (das war ironisch gemeint). Man muss Zick-Zack fahren, Schlaglöcher so tief wie Kleinwagen hoch sind, wenn ihr versteht was ich meine! Nach mehrmaligen Aufsitzen und Forderung meiner Fahrkünste komme ich aus dem Wald und sehe einen kleinen Ort. Die Navigation lässt zu wünschen übrig und leitet mich einmal um den Ort, über einen Weg, der nicht als Straße, ja nicht einmal als befahrbar zu erkennen ist. Ich bin angekommen! – Ein Höllenritt! – Wie ich später erfahre hätte ich kurz nach Ortsbeginn abbiegen müssen und wäre am richtigen Weg gewesen. Das Navi, so wurde mir erklärt, weiß das aber nicht. Kurzer Check des Fahrzeuges, alles ok! Alexander lehnt grinsend an seinem Pickup! Ich habe den Wink verstanden.

glückliche Schweine
von links nach rechts: Pan Ade, Schin Ken, im Hintergrund Speck Sau …

Wir lernen auch Marion kennen, ihre Herzlichkeit fällt sofort auf. Nach der obligatorischen Begrüßung und Vorstellung kann ich mir die Frage, was sie dazu bewegt hat auch in diese weite, für mich einsam wirkende Einöde zu folgen, nicht verkneifen! Sie beginnt zu erzählen.

Marions Traum und seine Folgen

Es war das Jahr 2014, da kam Alexander wieder einmal auf einen Kurzbesuch nach Tirol. Es war Fasching und wir trafen uns auf einem Umzug. Wir lernten uns kennen und was ich so gehört habe hat mir gefallen und begeistert. Ich selbst war immer schon begeistert von Tieren und träumte von einem eigenen Hof. Die Stallarbeit war ich gewöhnt, war ja täglich bei meinen Pferden. Ich und Alexander trafen uns immer öfter. Ich besuchte ihn in Ungarn und pendelte immer hin und her. Nach drei Jahren der Fernbeziehung und unzähligen Kilometern zwischen Ungarn und Tirol beschloss ich 2014 ihm nach Ungarn zu folgen!

Ich studierte erst Pferdewissenschaft und arbeitete im Betrieb mit. Durch das Studium auf der VetMed und BOKU lernte ich viel Allgemeines über Landwirtschaft. Nach Abschluss wurde ich von Alexander ausgezeichnet und voll im Betrieb integriert. Der Betrieb wird nun von uns beiden geführt, jeder hat so seine lieben und unlieben Aufgaben. Wir lernten beide die Sprache dieses Landes und sind nun auch ein Teil der Gesellschaft geworden. Man sagt oft wir sind Ungarn mit Akzent.

Wir lernen die Arbeit kennen

Ich schnappe meine Kamera, wir trinken noch schnell einen Kaffee und dann geht es los. Es gibt viel zu tun. Ich schalte also in den Geistermodus, will nicht stören, nicht auffallen, ich bin eigentlich gar nicht da! Es geht zu den Stallungen, ab ins Auto. Nach einer kurzen Fahrt sind wir angekommen. Das Erste was auffällt ist ein Konzert der Vorfreude. Die Muuuuhhhhhhhh-sik ist nicht zu überhören. Die Tiere, kaum haben sie Alexander und Marion bemerkt, verfallen regelrecht in Jubelstimmung. Es gibt Futter, es wird geputzt, es dauert und es ist anstrengend! Ich beobachte, lerne viel und halte Vieles für diesen Bericht mit der Kamera fest.

Luxus für das Vieh oder wie wohnt eine Kuh

Alexander macht eine kurze Pause und beginnt zu erzählen was täglich am Hof, in den Ställen etc. so abläuft und welche Grundsätze er für die Betreuung der Herde, der Ställe (es ist ja nicht nur einer) so aufgestellt hat.

Oberste Priorität sind gute Haltungsbedingungen und guter Umgang. Wir verfüttern nur gutes Futter an unsere Kühe, dazu gehören Heu, Getreide, Mais und alles aus eigener Produktion. Wir betreiben langsame Mast, langsames Wachstum. Wir geben unseren Tieren Zeit, Kälber werden erst nach mindestens 8 Monaten von der Mutterkuh getrennt, oft erst viel später. Die Kühe sind im Winter hier in den Ställen. Diese werden mindestens jeden zweiten Tag komplett gereinigt, das bedeutet, der komplette Stall wird ausgeräumt und neu aufbereitet.

Der Dung wird gesammelt (man kann es auf den Bildern sehen) und auf den eigenen Feldern als Dünger ausgebracht. Im Frühjahr und Sommer sind die Kühe auf unseren Weiden, haben viel Auslauf und können sich frei bewegen. Wir verarbeiten die Kuh nach dem Nose to Tail Prinzip mit dem Zusatz AND EVERYTHING OUTSIDE! Wir erbringen unseren Tieren den größt möglichen Respekt. Das zieht sich durch ihr ganzes Leben, von der Geburt, der Aufzucht und der Schlachtung sowie der Verarbeitung.

Nur so können und wollen wir unser Fleisch produzieren und sind davon überzeugt eine optimale Qualität zu erzeugen.

Alexander Stefan

Mann für das Grobe, Frau macht das Feine

Während wir Alexander am Traktor und am Lader sehen arbeitet Marion an den feinen aber ebenso (wenn nicht mehr) anstrengenden Dingen. Verteilung von Strohballen in den Ställen, Futter schaufeln, (wollen wir es so bezeichnen), Kühe streicheln, freche Kühe werden von ihr sofort in die Schranken gewiesen und vieles mehr. Ich als Geist und stiller Zuschauer war beeindruckt, was eine zierlich wirkende, Frau leisten kann. Der Schein trügt des Öfteren. Die Frau hat Power, die Frau hat PS, die hat auch der Traktor von Alex. So nun genug des Lobes, hier ein paar Eindrücke von Marions Tätigkeiten.

Der Arbeitstag geht zu Ende, es gibt Futter

Nach einer gefühlten Ewigkeit (es waren ca. 8 Stunden) ist die Arbeit im Stall erledigt. Es geht zurück! Jetzt werden wir uns ansehen was wir so produzieren. Man muss auch den Erfolg der schweren Arbeit kennen Lernen, schmecken und spüren. Wir grillen nun ein Steak! Im Haus angekommen wirft Alexander umgehend den Grill an, Marion bereitet Kartoffel zu, ein Hauch von Rosmarin erfüllt die Umgebung und Butteraromen liegen in der Luft. Da liegt es vor mir! Das herrliche Steak aus der Hohen Rippe. Marmoriert in den Farben der Heimat, Rot und Weiß, ein optimales Verhältnis von Fleisch und Fett. Seht selbst!

Das Ende naht, die Reise beginnt

Ein interessanter Tag mit vielen Impressionen, Erfahrungen und Schmerzen neigt sich dem Ende zu und ich beginne die Heimreise vorzubereiten. Ich lasse mir von Marion und Alexander den Weg erklären, Schlaglöcher um diese Zeit, mit vollem Magen, möchte ich vermeiden. Ich höre aufmerksam zu, aufschreiben ist nicht so mein Ding, ich versuche mir alles zu merken! Nach einer herzlichen Verabschiedung starte ich meinen kleinen roten Flitzer und fahre zufrieden in die Dunkelheit.

Jede Kreuzung ein Experiment und eine Frage der richtigen Richtung. Den Weg und Zweifel im Kopf geht es durch die Nacht. Da ist sie, die Kirche, nun muss ich rechts fahren, dann immer gerade aus bis ins Burgenland, eine mir bekannte Gegend. Von der Zeit allerdings hat mir keiner Berichtet. Die Zeit, die es braucht, die markanten Wegpunkte zu erreichen. Auch hier und bei Dunkelheit zeigen sich die Weiten des Landes und die Entfernungen zwischen den Orten.

Ein interessanter Tag ist zu Ende. Es war wunderbar! Nette Menschen, tolle Gegend, wunderbares Essen und viele Eindrücke über die Arbeit von Alexander und Marion, den Züchtern und Fleischproduzenten aus Leidenschaft. Ihre Leidenschaft ist es, die bei mir Leiden schafft! Ich bin erledigt aber glücklich!

mehr interessante Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.