die Kunst zur Improvisation

Fleischschmalz, jeder kennt es, nicht jeder mag es

Ich machte erste Erfahrungen mit Fleischschmalz in meiner Jugend, so mit 20 Jahren.
Ich kann mich nicht mehr wirklich an den Geschmack erinnern. Gut kann es nicht gewesen sein sonst hätte ich sicherlich positive Erinnerungen daran. Folgend meine Geschichte!

Der Befehl kommt unerwartet …

Wir schreiben das Jahr 1993, die Schule ist vorbei, die Matura habe ich in der Tasche. Ein Lebensabschnitt ist geschafft. Nun geht es ab in die Freiheit, weg von der Obhut der Lehrer und der Eltern. Hinaus ins Leben. Freude steht mir ins Gesicht geschrieben.

Mutter schreit „Manuel Post für dich“. Verwunderung! Wer schreibt mir denn? Ich nahm den Brief entgegen und mein Vater grinste. Verdammt, nein, bitte noch nicht, Erst in Freiheit angelangt, nun wieder in Gefangenschaft? Er ist da. Der Brief des Grauens. Das Heer will mich nun ausbilden zum Elitesoldaten, mich brechen und neu formen. Mit mir nicht. Kann ich es verhindern? Nein! Da muss ich wohl durch.

Der Termin steht fest. ich fahre zur Kaserne. Denke vielleicht habe ich noch die Chance davon zu kommen. Nein! Keine Stabskompanie. Ab zu den Jägern. Elitekämpfer, Frontschweine, nah am Feind im Ernstfall. OK ich bin nun da und versuche das Beste daraus zu machen.

Erste kulinarische Erfahrungen

Es ist anstrengend! Viele Märsche, wir hinterher vorne nur die Ärsche. Sie schreien, sie brüllen. Sie werden immer laut und rot, geht das so weiter folgt bald der Tot. Aber was, ich wurde härter und härter, schlanker und schlanker. Das Essen geschaffen nicht zum Genuss sondern rein zum Überleben. Kein Geschmack oft muss man sich übergeben. Egal. Man lebt. Die Zeit geht bald vorbei.

Die Grundausbildung neigt sich dem Ende zu. Den Abschluss bildet die Feldwoche. Eine ganze Woche voller Anstrengungen , draußen im Wald, im Feld, kleine Gruppen in einem Zelt. Krieg spielen, Furchen ins Land graben und darin verstecken. Essen meist KV (Kaltverpflegung) und Dosenbrot. Jahrzehnte alt und hart.  Es macht aber auch irgendwie Spaß. Cowboy und Indianer für „Frischerwachsene Jungs“ unter Aufsicht und Anleitung von Spinnern und Antreibern.

Die Ablehnung der Kaltverpflegung

Der Kampf ist vorbei, der Feind besiegt. Der Zug trifft im Waldquartier ein. Es folgt Essensausgabe. Aha die Nahrung im Sack, kalt, Dosen, Fleischschmalz. Na toll der Körper bekommt erste Mangelerscheinungen, vermisst die Wärme im Magen. Im Wald ist es kalt, es ist nicht Sommer, nein die „Weiße Pracht“ erhellt die Nacht.

Die Truppe begibt sich in die Zelte. Die Öfen (ein dickes Metallrohr) beginnen zu glühen. Die Wärme erfüllt das Zelt, die Glieder tauen auf und der Körper bedankt sich mit etwas Entspannung. Ich öffne den Futtersack. Öffne die Dose. Verdammt ich kann das Schmalz nicht mehr sehen. Ist ein Elitesoldat das Geld für vernünftiges Essen nicht wert? Wir haben Gewehre, schießen wir doch ein Schwein. Nein der Feind lauert überall. Fressen im Zelt und dann Wache schieben. Ich finde jetzt geht das Krieg spielen eindeutig zu weit. Die Spinner liegen zu hause im warmen Bett bei ihren Frauen und machen sonst was. Ich und meine Kammeraden lauern auf den Feind der niemals kommt.

Trübsal blasen beenden und denken denn dazu hast du dein Hirn bekommen. Verbessere deine Situation. Ich mag keine Kaltverpflegung. Raus mit dem Messer (jeder hat es dabei für den Nahkampf) Ich erlöse also das Fleischschmalz von seiner metallischen Verpackung und klatsche es zugleich auf den heißen Ofen. Das Fett schmilzt und läuft den Ofen herunter. Es zischt. Nach einiger Zeit verändert sich der Geruch im Zelt. Schweiß und Fußgeruch weichen einem nahezu himmlischen Duft von gebratenem Fleisch. Meine Kammeraden schauen auf. Im Zelt regt es sich.
Es dauert nicht lange und der ganze Ofen ist bedeckt mit so einer Art Fleischlaibchen. Es ist warm und es schmeckt anders. Es war ein kulinarisches Erlebnis. (oder so eine Art von Erlebnis)
Wir waren zufrieden, malten uns diverse Beilagen aus, und machten Witze. Ja in diesem Moment war das Krieg spielen sehr real geworden.

Freue dich über Kleinigkeiten und versuche ständig deine Lage zu verbessern egal wie schlecht sie auch sein mag. Das lernte ich in dieser Zeit und diese Einstellung ist mir bis heute geblieben.

Fleischschmalz selber machen …

Fleischschmalz habe ich seit dieser Zeit gemieden. Kürzlich habe ich es wieder versucht, ein Revival an meine Jugend. Ich denke es hat sich nichts geändert das Rezept ist immer noch gleich übel.

Es ist einfach das Überlebensgericht selbst zu machen. Man verwendet übrig gebliebenes, gekochtes und gebratenes Fleisch, schneidet dieses klein und vermischt es mit Schmalz. Danach kocht man es kurz auf, würzt es nach Belieben und füllt diese Masse dann in Gläser ab. Danach die Gläser umstürzen (vorher natürlich verschließen) und abkühlen lassen.

Wer will kann die Gläser in einen Sack packen mit den Kindern oder Enkelkindern in den Wald gehen und sie auf das Krieg spielen vorbereiten.

Alles Liebe und immer gutes Essen wünscht

Manuel Graf